Bundesarbeitsgemeinschaft
der Immigrantenverbände
in Deutschland e.V.

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EU-Projekt:

Partizipation, Mediation, Anerkennung.

Forum von Girona

Am 7. und 8. September 2000


Arbeitsgruppe: Mediation A




Mediation verwirklicht durch professionell-technische Strukturen öffentlichen (Stadtrat, etc.) oder privaten Charakters (NGO´s, etc.)

Seit ungefähr 5 Jahren tauchen diverse Versuche von interkulturellen Mediationsprojekten und der Ausbildung von kulturellen Vermittlern auf. Diese Projekte konzipierten neue Strategien zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den verschieden kulturellen Gemeinschaften, um so alternative Wege der Konfliktlösung, ein besseres Zusammenleben und den sozialen Zusammenhalt zu erleichtern.

Die Mehrheit dieser Versuche wurden durch NGO´s oder durch Vereinigungen, die Minderheitengemeinschaften unterstützen, ausgearbeitet und langsam haben einige Verwaltungen angefangen, diese Strategien in ihren Abteilungen für Soziales, Gesundheit und Bildung zu übernehmen.

Während des Forums in Gerona würden wir gern diese Realität aus verschiedenen Blickwinkeln, die sogleich dargestellt werden, zur Sprache bringen. Vorher würden wir aber gern einige Elemente der Überlegungen aufführen. Erstens eine Definition der interkulturellen Mediation von Carlos Giménez [3], Anthropologe:

„Eine Form der Vermittlung durch dritte Parteien in und über soziale Situationen bezeichnender Multikulturalität, orientiert an der Erlangung der Anerkennung des Anderen und an der Annäherung der Parteien, der Kommunikation und des gegenseitigen Verständnisses, an dem Erlernen und der Entwicklung des Zusammenlebens, an der Regulierung der Konflikte und an der institutionellen Anpassung zwischen den verschiedenen ethno-kulturellen sowohl sozialen als auch institutionellen Akteuren.“

Zweitens wollen wir an die Hypothese erinnern, an der wir in dem transnationalen Team des Projektes Diáleg 3 arbeiten:

Die Strategien der Mediation müssen auf die Anerkennung des Anderen gerichtet sein, der die Steigerung seiner Partizipation zuläßt [4].

Mögliche Diskussionspunkte sind:

1. Wer sind diese dritten Parteien?
1.1. Institutionen, NGO´s, andere
1.2. Fachkräfte / Freiwillige
1.3. Ausbildung der Fachkräfte
1.4. Modelle der Vermittlung durch Fachkräfte

2. Wie fördern wir die Anerkennung des Anderen durch unsere Mediationsaktionen?
Was glauben wir, wie gefördert werden sollte?

3. Wie erarbeiten wir die Partizipation durch unsere Mediationsaktionen?
Was glauben wir, wie man arbeiten sollte?

4. Wie fördern wir die Transformation der institutionellen und sozialen Verbindungen in unserer Gesellschaft aus einer interkulturellen Perspektive heraus?

Leitung der Arbeitsgruppe:

Cristina Andreu i Displàs. Koordinierung der Programme der Stiftung SERGI Bru Pellissa. Koordinator der Vereinigung ESBARGI

Entwicklung und Schlußfolgerungen der Arbeitsgruppe

Entwicklung der Arbeitsgruppe

Unsere Arbeitsgruppe hat das Thema Technische Mediation entwickelt durch NGO´s, Stadträte, Vereinigungen, etc. in Angriff genommen.

Das Ziel war es, wie auch das der anderen Arbeitsgruppen, einen Beitrag zu einer Analyse, zur Einschätzung, zur Wechselbeziehung in Bezug zur Hypothese, welche in diesem Forum aufgeworfen wurde und zu den Konzepten, die in sie eingreifen, zu leisten:

Mediation, Anerkennung, Partizipation.

Die Arbeitsgruppe setzte sich zusammen aus:

Kira Bermúdez, Pädagogin der Vereinigung Desenvolupament Comunitari (Spanien)

Claire Kagan, Direktorin des psycho-medizinischen Sozialzentrums der französischen Gemeinde von Saint -Gilles (Belgien)

Bru Pallissa, Koordinator der Vereinigung ESBARGI (Spanien)

Monika Springer-Geldmacher von RAA (Deutschland)

Elisabeth Iglesias von der Vereinigung GRAMC (Spanien)

Cristina Andreu i Displàs, Koodinatorin der Stiftung SER.GI (Spanien)

Diese Mitglieder repräsentierten eine Gruppe von großer Heterogenität in Bezug auf die Aktionen, Modelle, die jeder Teilnehmer vorstellte: von Ausbildungsprojekten der interkulturellen Vermittler (Vereinigung Desenvolupament Comunitari) über Projekte der interkulturellen Pädagogenausbildung für die Fachkräfte in der formalen Bildung (RAA, Stiftung SER.GI), Unterstützungsprojekte für die Vermittlung durch Fachkräfte (Psycho-medizinisches Sozialzentrum) bis zu Projekten der Vermittlung bei kulturellen Minderheiten insbesondere bei Zigeunern (Vereinigung ESBARGI).

Die Methodologie, die wir benutzten war folgende: Das Seminar begann mit dem Vorstellen der verschiedenen Teilnehmer/innen, der Institutionen und/oder Vereinigungen, die sie repräsentierten und den realisierten Projekten.

Nach dieser Präsentation und dem Lesen der Definition des Begriffs der Interkulturellen Mediation (gemäß dem Anthropologen Carlos Giménez) wurde die Debatte über die Konzepte, die wir vorgesehen hatten zu behandeln, eröffnet: verschiedene Modelle der Vermittlung, verschiedene Bereiche und Kontexte der Vermittlung, verschiedene Fachkräfte,...

Man muß den wichtigen Prozeß des Austausches und der Überlegungen hervorheben, den wir durchführten, wobei die kurze verfügbare Zeit und die Notwendigkeit der aufeinanderfolgenden Übersetzungen zu berücksichtigen sind.

Alle Personen zeigten Motivation und großes Interesse für das Thema, über das wir debattierten, was eine hohe und sehr interessante Beteiligung hervorrief: Erklären von Erfahrungen, Teilen von Fragen, Versuche, Definitionen zu beschliessen und Übereinstimmungspunkte zu suchen, die es zuließen, Konzepte definieren zu können und zu einer Analyse und zu Analogieschlüsse zwischen den verschiedenen Situationen zu gelangen.

Schlußfolgerungen

Nach dem durchgeführten Prozeß des Austausches, der Debatte und der Überlegungen beschloß unsere Arbeitsgruppe die folgenden Elemente, Vorschläge oder Schlußfolgerungen:

  • Wir haben festgestellt, daß das Thema der Mediation in den verschiedenen Ländern analysiert wird und man dort jeweils die Ausübung, die unter dieser „Benennung“ durchgeführt wird, diskutiert. In diesem Sinn war es interessant zu beobachten, daß die Erscheinung/ Interpretation des Konzepts der Mediation eng verknüpft war mit vorherigen Erfahrungen, vor allem in denjenigen Ländern, wo man sie seit Jahren entwickelt.
  • Deshalb war es notwendig, die Definition von Mediation zu „decodieren“, um an der Debatte teilnehmen und sie bereichern zu können.
  • Es gibt verschiedene Erscheinungen der Mediation:
    • Mediation in Situationen, wo die zwei Parteien den Konflikt ausleben und mittels der Strategie der Mediation, welche eine dritte Person ausführt, lösen wollen. Einige Personen definieren dies als: Professionelle Mediation
    • Mediation in Situationen, in der die zwei Parteien den Konflikt nicht anerkennen. Eine Mediation, die die Ungleichgewichte und die existierenden Diskriminierungen kompensieren muß. Eine Mediation, die ein Teilnehmer als Mediation Unilateral bezeichnet und die sich in der Arbeit mit den Parteien konzentriert, damit sie sich schließlich annähern und eine professionelle Mediation praktizieren können.
  • Es wird anerkannt, daß die Mediation damit eine Methodologie ist. Als solche erfordert sie einige Strategien, einige Mittel, eine Systematisierung.
  • Es wird die Komplexität der Kontexte hervorgehoben, wo man gewöhnlich diese Methodologie benutzt.
  • Es wird anerkannt, daß die Personen, die diese Methodologie benutzen, in spezifischer Weise ausgebildet sein müssen. Eine Ausbildung, die ausgeht von der eigenen Frage nach sich selbst, von einem Prozeß der Dezentration, der es erlauben muß, einen Dialog zwischen den Parteien zu erleichtern.
  • Die Mediation ist nicht die Strategie, sondern eine Strategie. Es wird außerdem betont, daß die ausschließliche Benutzung dieser Strategieart ineffektiv erscheint, um in kurzer Zeit die Diskriminierung, die in den schulischen Institutionen gegenüber den Minderheiten entwickelt wird, zu lösen. In diesem Sinn bleibt festzustellen, daß:
    • die Mediation eine Strategie sein wird, die sich in personalen Interaktionen ( Familie, Beruf, Schüler) zentrieren wird, um eine Umwandlung der Dynamik in der Schule zu erreichen
    • Die Mediation macht man nicht oder soll nicht immer mit Hilfe der Figur des Vermittlers durchgeführt werden. Es gibt viele Kontexte der Mediation. Das Wichtigste auf jeden Fall ist, daß die Fachkraft, die sie benutzt, eine spezifische Ausbildung besitzt.
    • Die Mediation soll die Anerkennung des Anderen begünstigen, von da an, wo es möglich ist, das soll sich zu erkennen geben in Gleichheitsausdrücken, in Ausdrücken der vollständigen Ausübung der Demokratie. Jedenfalls gibt es viele Art und Weisen, wie man die Anerkennung des Anderen erarbeiten kann, die Mediation ist nicht die einzige Strategie, die dies erlaubt.
  • Ein Element, das wir in die Eingangshypothese einfügen würden, ist: Annäherung, d.h.
    Mediation   Anerkennung   Annäherung   Partizipation
  • In Bezug auf die Fachkräfte der Mediation unterstreichen wir:
    • Nein zur Neutralität. Niemand ist neutral
    • Ja zur Dezentration
    • Es können Personen sein, die entweder zur Minderheit oder zur Mehrheit gehören
  • Wir berücksichtigen auch die Tatsache, daß wenn immigrierte Personen Mediationsaktionen verwirklichen, dies eine Wertsteigerung bzgl. der Anerkennung der Kapazitäten der Minderheiten, in Konfliktlösungen einzugreifen, mit sich bringt, gleichzeitig aber auch bzgl. ihrer Partizipation.
  • Um zum Schluß zu kommen, die Personen der Gruppe betrachten die durch das Projekt Diáleg 3 aufgestellte Hypothese gültig und interessant.

Bewertung

Wir glauben, daß die Dynamik der Gruppe es uns erlaubt hat, unsere gestellten Ziele zu erreichen, obwohl wir mit mehr Zeit diese hätten vertiefen und auch einige bedeutendere Vorschläge herausarbeiten hätten können. Einige der Fragen, die wir beantworten wollten, wurden nicht präzise genug beantwortet ( vielleicht auf indirekter Ebene, in stillschweigender Form).

Bezüglich der Technischen Mediation führte uns die Arbeit der Überlegung und des Austausches zu den Schlußfolgerungen, obwohl wir sagen können, daß sie „oberflächlich“ sind, daß wir einen Einblick in die aktuelle Situation des Themas in den diversen Ländern erhalten haben.

Mit anderen Worten, die Arbeit hat uns erlaubt, eine Debatte über die Aktualität in den verschiedenen europäischen Ländern zu eröffnen und zu vertiefen, daher konnten wir die Hypothese, Fragen, Strategien von lokaler / staatlicher Ebene prüfen, aber in der Absicht zu teilen und in gemeinsamen Aspekten, auf transnationaler Ebene, zu ermitteln.

Jetzt ist die Debatte eröffnet und vielleicht würde es interessant sein, einen Mechanismus einzurichten, der die Kontinuität sichert mit der Konsequenz, den Nutzen aus diesem zu erhalten (intellektuelle Bildung, technische Bildung).

Wir glauben auch, daß es notwendig sein wird, den Fusionsprozeß der Schlußfolgerungen, zu denen man in den vier Arbeitsgruppen kam, zu verstärken. Dies würde uns erlauben, die aufgestellte Hypothese auf multidimensionaler Ebene zu analysieren.

[1] Term unbekannt

[2] Term unbekannt

[3]Carlos Giménez. Zeitschrift Migraciones Nr.2, Instituto Universitario de Estudios sobre Migraciones, UNIVERSIDAD PONTIFICA DE MADRID. Madrid. 1999.

[4]Die Partizipation verstanden als grundlegender Mechanismus sowie als Privilegierung im Kampf gegen den sozialen Ausschluß.

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