Bundesarbeitsgemeinschaft
der Immigrantenverbände
in Deutschland e.V.

zurück

EU-Projekt:

Partizipation, Mediation, Anerkennung.

Forum von Girona

Arbeitsgruppe: Mediation A




Leitung der Arbeitsgruppe:

Carlos Pereira et Sylvie Crespo
Koordination der portugiesischen Gemeinden in Frankreich (CCPF)

Mediation durch die Gemeindestrukturen, die durch die Einwanderung entstanden sind

Einleitung

In vielen Fällen werden Mediationen durch die Gemeindestrukturen, die sich durch die Immigration gebildet haben, eingeführt, insbesondere von den Verbänden, die am Anfang manchmal nicht wirklich diese Priorität hatten.

Manchmal gehen diese Verbände bis zur Einstellung von Mediatoren, die fast immer aus der fraglichen Gemeinde stammen. Einerseits deshalb, weil das Gemeindenetz die Personen kennt, die den Anforderungen an die Aufgabe entsprechen, andererseits weil es sicherlich einfacher ist, wenn ein Gemeindemitglied mit seinen Landsleuten spricht.

Wir beabsichtigen, die Erfahrungen jedes einzelnen unserer eingeladenen Gäste auf diesem Gebiet kennen zu lernen. Welche Strukturen vertreten sie? Was machen sie genau? Welche Art von Mediation? Mit welcher Finanzierung? Welche Ausbildungen haben sie? Wie werden sie selbst in der Gemeinde anerkannt? Auf diese Fragen wollen wir versuchen eine Antwort zu finden.

Welche Vorteile oder Unannehmlichkeiten haben diese Mediatoren gegenüber denjenigen, die innerhalb der von den Bürgern des Aufnahmelandes geschaffenen Strukturen arbeiten, ebenfalls Mediatoren sind und manchmal sogar für die gleichen Gemeinden arbeiten? Wie sehen die erforderlichen Mediationsstrategien aus? Wir wollen zu konkreten Vorschlägen hinführen. Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den verschiedenen Ländern? Welche europäische Transversalität?

Wir werden also in drei Zeitabschnitten arbeiten:

1.Vorstellung der Teilnehmer der Arbeitsgruppe und ihrer jeweiligen Strukturen. Kurze Einführung in das Thema.

2.Vorstellung der Praktiken eines jeden Teilnehmers. Fragen und Antworten. Erfahrungsaustausch und Überlegungen.

3.Zukunftsperspektiven und konkrete Vorschläge.

Liste der Teilnehmer

Carlos Pereira
Direktor
Koordination der portugiesischen Gemeinden in Frankreich (CCPF), Paris - Frankreich
156, rue de Ménilmontant - 75020 Paris
Telefon: + 33.1.44.62.05.04
Fax: + 33.1.44.62.08.05
E-Mail: Ccpf1@aol.com

Sylvie Crespo
sozikulturelle Referentin
Koordination der portugiesischen Gemeinden in Frankreich (CCPF), Paris - Frankreich
156, rue de Ménilmontant - 75020 Paris
Telefon: + 33.1.44.62.05.04
Fax: + 33.1.44.62.08.05
E-Mail: Ccpf1@aol.com

Turkan Kaya
Schulmediatorin
Verband türkischer Arbeitnehmer
Paris - Frankreich
35, boulevard de Strasbourg - 75010 Paris
Telefon: + 33.1.42.46.59.70
Fax: + 33.1.48.00.09.01
E-Mail: attf@ifrance.com

Hadiatou Diawara
soziokultureller Mediator
Verband bouljenne[1] für die Entwicklung und die Integration ABDI Aubervilliers - Frankreich
56, rue des Fillettes - 93300 Aubervilliers
Telefon: + 33.1.43.52.16.26

Omar Bergallou
Ausbilder
CEFA-UO (Spanisches Zentrum für Universitätsausbildung) Brüssel – Belgien
323, chee de Neerstalle - B - 1190 Forest
Telefon: + 32.23.76.88.84

Eva Cham
Vorsitzende
Federació de Collectius d’Immigrants de Catalunya Barcelona - Spanien
C / Fortuny, n°39, baixos - E - 08301 Barcelona
E-Mail: adamabojang@hotmail.com

Leonidas Gegios
Gründer
Förderverein SESB dt.-gr. Zug, Europaschule Berlin Berlin - Deutschland
Jenaer Str. 12 – 10717 Berlin
Telefon: + 49.30.854 18 70

Aliou Diao
Technischer Direktor
GRAMC
Gerona - Spanien
Plaça Lluis Companys, n°12 - 17003 Gerona
E-Mail: gramc@eps.udg.es

Schlussfolgerungen

Die Gruppe

Unsere Gruppe setzte sich aus Migranten aus verschiedenen Ländern zusammen. Sie arbeiten alle für Verbände, die wiederum aus der Migration entstanden sind.

Neben den Moderatoren setzte sich die Gruppe wie folgt zusammen: Eva Cham (Senegalesin, Mediatorin); Hadiatou Diawara (Mauretanier, Mediator); Leonidas Gegios (Grieche, Mitbegründer der bilingualen griechischen Schulen in Deutschland, Mediator); Omar Bergallou (Marokkaner, Streetworker); Kaya Turkan (Türkin, Mediatorin); Aliou Diao (Senegalese, Referent).

Methodologie

Wir haben natürlich die Mediation durch die heutigen Strukturen behandelt, aber auch ihre Aktivitäten im Allgemeinen, da die Mediation in den meisten Fällen zu den Aktionen ihrer Verbände gehört. Somit wurde die Mediation in ihrem natürlichen Kontext besprochen, neben beispielsweise Aktionen mit kulturellem Charakter.

Auf der anderen Seite fand die angesprochene Mediation nicht nur im schulischen Umfeld statt, sondern auch im medizinischen, sozialen, juristischen, sprachlichen und sogar polizeilichen Umfeld. Unsere Schlussfolgerungen umfassen daher die gesamte Diskussion.

Zunächst haben wir einen runden Tisch veranstaltet, um die verschiedenen Teilnehmer ganz allgemein vorzustellen. Danach hat jeder erklärt, worin seine Arbeit praktisch besteht. Dies führte zu einer äußerst interessanten und sehr praktischen Anteilnahme an den Erfahrungen. Der Inhalt der Debatten wurde daher von der individuellen Erfahrung jedes einzelnen Teilnehmers geprägt.

Die Debatte

Die Gemeindeverbände sind vor allem Begegnungsstätten für die Angehörigen des Ursprungslandes. Auch wenn die von ihnen organisierten Aktivitäten kulturellen Charakter haben, kommen die Migranten manchmal dorthin, um eine Lösung für ihre Probleme zu suchen. Diese Verbände sind also „Ordner“ der Gemeinde. Sie helfen auch bei der Lösung von Problemen, z.B. bei der Suche nach einer Arbeitsstelle, einer Wohnung, beim Ausfüllen von Formularen, Übersetzungen usw.

Gerade in diesen Verbänden findet sich immer jemand, der bei Problemen aller Art helfen kann. Vielleicht sind gerade diese Verbände die ersten Anlaufstellen. Vor allem, wenn sie nicht wissen, dass es landesrechtliche Strukturen gibt, die ihnen helfen können!

So sind in diesen Verbänden häufig Mediatoren zu finden, auch wenn sie innerhalb der Gesellschaft nicht diesen Status haben.

Die meisten der in unserer Arbeitsgruppe anwesenden Mediatoren sind auf diese Weise ausgewählt worden – sie waren allesamt zu Beginn ehrenamtliche Mitarbeiter und haben diese Aufgabe dann zu ihrem Beruf gemacht, quasi um die Funktion, die sie bereits ausübten, „amtlich“ bestätigen zu lassen.

Die von diesen Mediatoren ausgeübte Mediation ist praktischer Art. Sie findet immer zwischen der Familie und den verschiedenen Organisationen statt, manchmal in mehreren gleichzeitig, in verschiedenen Bereichen: Gesundheit, Recht, Justiz ... und natürlich in der Schule. Die Schulmediation ist somit nur ein Teil der Mediation. Im übrigen hat sich unsere Arbeitsgruppe entschieden, in sehr praktischem Kontext über die Mediation zu sprechen.

Jede Gemeinde hat ihre Besonderheit. Wir haben zum Beispiel über die Türken in Frankreich gesprochen, die nicht die Sprache ihres Aufnahmelandes sprechen; über den religiösen Kontext der maghrebinischen Gemeinden; über die kulturellen Besonderheiten der Migration aus Schwarzafrika usw.

Aus diesem Grund ist die Kenntnis über die Gemeinde außerordentlich wichtig und die Tatsache, dass die Mediatoren selbst aus dieser Gemeinde stammen, ist fundamental. In diesem Punkt waren sich alle Teilnehmer einig.

Die Mediatoren müssen also aus Mitgliedern der Gemeinde selbst gewählt werden, nicht nur aus sprachlichen Gründen, sondern auch hinsichtlich des Verständnisses für Situationen (hier wurden einige Beispiele angeführt). Trotzdem ist es auch richtig, dass die Migranten sich manchmal lieber Personen anvertrauen, die nicht zu ihrer Gemeinde gehören, oftmals aus Scham oder Angst, dass den anderen Mitgliedern ihrer Gemeinde ihre Probleme bekannt würden. Man muss die Familien in diesem Punkt absolut und auf jeden Fall beruhigen.

Für die Mediatoren aus der Gemeinde ist der Zeitraum, bis das vor jeder Mediation notwendige Vertrauen gebildet wurde, weniger lang als für Mediatoren „von außen“. „Annäherungsbeispiele“ an eine Gruppe Jugendlicher in Belgien wurden vorgestellt.

Die Anerkennung der Mediatoren aus ihren Gemeinden ändert sich manchmal, wenn sie vom Status der Ehrenamtlichkeit für den Verband in den beruflichen Status wechseln. Es ist klar, dass die Mediatoren in den beiden Situationen anders angesehen werden.

Auf der anderen Seite wird die Arbeit der Mediatoren sehr oft von den anderen, auf diesem Gebiet aktiv Beteiligten nicht anerkannt, beispielsweise von Sozialarbeitern, Sozialfürsorgern, Lehrern, Ärzten, der Polizei usw. Sie erschweren manchmal die Arbeit der Mediatoren, als ob sie eine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt oder auf dem gleichen Arbeitsgebiet darstellen würden, und es kommt selten eine Partnerschaft zustande.

Sehr oft wird der Mediator nur dann gerufen, wenn es allen anderen Beteiligten nicht gelungen ist, ein Problem zu lösen. Und für einige dieser Beteiligten bedeutet die Tatsache, dass sie die Hilfe des Mediators in Anspruch genommen haben, keine Aufwertung ihrer Arbeit …

Wir haben viel über die Neutralität des Mediators gesprochen. Alle Teilnehmer waren sich einig über die Bedeutung dieser Neutralität, aber alle sagten auch, dass sie praktisch nicht neutral sind, weil sie das bestehende Ungleichgewicht bei der Behandlung von Situationen erkennen und angesichts dieser Ungleichheiten nicht gleichgültig bleiben können.

Wir haben auch über den Augenblick des Eingreifens des Mediators gesprochen. Für die einen kommt dem Mediator die Rolle zu, Probleme zu verhindern; für die anderen darf er nur eingreifen, um Konfliktsituationen zu lösen; für wieder andere muss er Konflikte herbeiführen, bevor er versuchen kann, diese zu lösen.

Die Empfehlungen

Wir haben eine Reihe von Vorschlägen ausgearbeitet, die uns sehr wichtig erscheinen und die wir im Folgenden aufführen.

Über den Mediator...

Die Funktion des Mediators muß deutlich definiert werden und eine allen europäischen Ländern gemeinsame Ausbildung muß eingeführt werden, damit eine tatsächliche Anerkennung des Status des Mediators erfolgt.

Zur Zeit werden die Mediatoren manchmal beispielsweise angestellt, um die Arbeit von Sozialfürsorgern zu machen, oder die Sozialfürsorger erkennen die Rolle der Mediatoren nicht an. Eine Klärung ist also vordringlich.

Über die Schule...

Eine interkulturelle Ausbildung muß in den Universitätsveranstaltungen, die auf den Lehrberuf vorbereiten, vorgeschrieben werden. Diese Ausbildung darf nicht weiter als Wahlfach angeboten werden. Sie muß Bestandteil aller Stundenpläne der Lehrer und der sonstigen am schulischen Umfeld Beteiligten werden.

Heute kennen wir z.B. Organisationen in Frankreich, die für interessierte Lehrer eine Zusatzausbildung anbieten. Diese Ausbildung muß obligatorisch werden und auch von Lehrern verlangt werden, an deren Schulen es nur einen geringen Anteil an Migranten gibt.

Auf der anderen Seite müssen interkulturelle (und nicht nur multikulturelle!) Aktionen in den Schulen stattfinden. Auf diese Weise wird die persönliche Bereicherung der Kinder Realität, da es hier zwangsläufig zu einem Austausch kommt. Die Integration, so wie wir sie sehen, muss das Ergebnis eines kulturellen Austausches sein und nicht der Assimilation der Kultur des Aufnahmelandes zum Schaden der ursprünglichen Kultur der Eltern.

Über den Bilingualismus...

Für uns ist der Bilingualismus ein wichtiger Faktor für die persönliche Entwicklung des Kindes, vor allem, wenn die beiden Sprachen (die des Aufnahmelandes und die des Heimatlandes) auf gleicher Grundlage unterrichtet werden.

Zwei Sprachen zu sprechen muß als ein Bereicherungsfaktor für die Aufnahmegesellschaft betrachtet werden. Sie müssen also bereits in der Vorschule unterrichtet werden.

Wir haben lange über die Erfahrungen der zur Zeit in Berlin vorhandenen bilingualen Schulen gesprochen und eine solche Erfahrung kann auch in anderen Ländern und mit weiteren Gemeinden umgesetzt werden.

Es handelt sich um Schulen, zu denen alle Familien ungeachtet ihrer sozio-ökonomischen Bedingungen Zugang haben, sie stehen Kindern aus Mischehen und auch autochthonen Familien offen. Das Risiko, das es zu vermeiden gilt, ist die Schaffung von „Ghettoschulen“!

Studien und wissenschaftliche Untersuchungen müssen gefördert werden, um die vorhandenen Erfahrungen in den verschiedenen Ländern zu analysieren und um die Verbreitung dieser Schulen in der gesamten europäischen Union zu untersuchen.

Über die Gemeindeverbände…

Bei den kulturellen Aktionen der Gemeindeverbände handelt es sich um Aktionen der sozialen Prävention. Sie dürfen nicht als Ghettos betrachtet werden.

Die Arbeit dieser Verbände muß im Gegenteil gefördert werden. Sie müssen finanziell stärker ausgestattet werden, damit sie ihre Aktivitäten entwickeln und sie für die ganze Gesellschaft öffnen können. Diese Verbände spielen eine nicht zu vernachlässigende Rolle bei der Mediation und das muß endlich anerkannt werden.

Wir dürfen die Mediation nicht nur als Einzelaktion betrachten. Wir müssen sie auch als Gemeinschaftsaktion sehen, und zwar in dem Kontext, dass die Verbände Orte des kulturellen Ausdrucks sind, der unbedingt zu stärken ist.

Anlagen

Eva Cham

Senegalesin. Mediatorin.
Sie war zunächst ehrenamtlich sehr aktiv und wurde dann eingestellt, um ihre Mediationsarbeit fortzusetzen. Eva arbeitet in verschiedenen Interventionsbereichen mit der Gemeinde zusammen: Soziales, Schule, Gesundheit, Frauen usw.

Hadiatou Diawara

Mauretanier. Mediator.
Er war ehrenamtlicher Mediator, bis er von seinem Verband, der eine Partnerschaft mit der Gemeinde eingegangen ist, angestellt wurde.

Verschiedene Interventionsbereiche: Soziales, Schule, Gesundheit usw.. Arbeitet vorrangig für die Gemeinschaft, aus der er stammt, und auch für die gesamte afrikanische Gemeinschaft in seinem Viertel. Informationen über seinen Verband finden sich als Anhang zu diesem Bericht.

Seit 1995 arbeitet der Verband boulyenne für Entwicklung und Integration (ABDI) mit der Stadt Aubervilliers (Pariser Vorort) zusammen. Zwischen dem Verband und der Stadt wurde ein Vertrag geschlossen.

In Aubervilliers gibt es eine starke Konzentration von Afrikanern und der Verband ist Partner mehrerer städtischer Projekte. Als beispielsweise die Stadt vor Kurzem Workshops zur Integration organisiert hat, leitete der A.B.D.I. zwei dieser Workshops. Das Hauptproblem der Afrikaner von Aubervilliers ist die Wohnsituation.

Hadiatou Diawara sichert die Mediationsarbeit im Rahmen des Verbandes.

Zunächst spricht man die Eltern an, die selbst ihre kulturellen Orientierung verlieren. Diese Arbeit erfolgt meistens samstags.

In Afrika kümmern sich sämliche Erwachsene in den Dörfern um die Bildung des Kindes. Für diese Aufgabe ist die ganze Familie verantwortlich. In Europa ist es gerade mal die Mutter. Der Vater geht arbeiten. Der Verband hat begonnen, diesen Fragen nachzugehen und die Eltern systematisch auf ihr afrikanisches Bezugssystem zu verweisen.

Der Verband hat hauptsächlich in diesem Viertel gearbeitet. Aber die politisch Verantwortlichen der Stadt haben darum gebeten, weiter zu gehen. Also musste jemand eingestellt werden.

Zu Beginn hat der Mediator nur mit den soninkés[2] gearbeitet, die Gemeinde, die sie gut kannten. Aber die anderen Minderheiten, die mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, wandten sich ebenfalls an sie.

Die Eltern werden nicht in die Schule einbezogen. Es gibt keine Gespräche zwischen Eltern und Schule. Also erhält der Mediator vielen Anfragen von Realschulen und Gymnasien. Zum Beispiel fragen sich die Lehrer sehr häufig, warum die Kinder nicht zur Schule kommen? Und sie wenden sich an den Mediator und versuchen zu verstehen.

Einer der Bereiche, in denen wir arbeiten, betrifft den Namen.

In Afrika hat ein Name eine bestimmte Bedeutung. Wenn wir nun also ein Kind besuchen, beginnen wir damit, dass wir mit ihm über seine Familie sprechen und ermutigen ihn, mit seiner Familie zu sprechen. Warum ist es hier, warum ist es nach Frankreich gekommen, wer bin ich, damit ich weiß, wohin ich gehe, was haben meine Eltern gemacht? Die Schule kann diese Fragen nicht beantworten. Wir rufen einen Familiendialog hervor.

„Wenn ich in Afrika mit meinem Vater spreche, muss ich den Kopf senken, hier erklärt man mir, dass ich die Leute ansehen muss, wenn man mich anspricht.“ Genau diese Codes müssen wir sowohl mit den Kindern als auch mit ihren Eltern und auch den Lehrern erarbeiten.

In Afrika haben die Kinder kein Recht, das Wort zu ergreifen. Sie dürfen sich vor Fremden nicht äußern. Aber mit mir können die Kinder reden, Auge in Auge, und es liegt an mir ihnen zu erklären, warum es für ihre Eltern anders ist.

Wir sind tatsächlich Vermittler zwischen Familie und Schule, aber auch zwischen der Familie und dem Kind.

Wenn in Frankreich die Schule afrikanische Aktionen organisiert, kommen auch nur Afrikaner. Also hat man damit aufgehört. Wir wollen an multikulturellen Aktionen teilnehmen, die von der Stadt organisiert werden, weil dort eine Mischung der Gemeinden zu finden ist. Man muss den Eltern erklären, warum es wichtig ist, daran teilzunehmen. Oftmals schließen sich afrikanische Eltern selbst aus.

Eine Familie wird niemals einen Sozialfürsorger aufsuchen. Der Vater glaubt, dass er sich um seine Familie kümmern muss und dass er nicht von der Sozialfürsorge gedemütigt werden will. Es ist der Mediator, der ihm erklären muss, dass die Situation nicht mehr so ist wie im Dorf: Dort gab es immer eine Person, die ihm helfen konnte...

Es ist wichtig, dass der Mediator aus der Gemeinde selbst stammt. Insbesondere, um die Leute in ihren Heimen besuchen zu können. In vielen Situationen schotten sich afrikanische Familien ab. Der Mediator muss ein Klima des Vertrauens aufbauen und er muss die Familie von seinen Standesregeln und dem Berufsgeheimnis überzeugen.

Leonidas Gegios

Grieche.
Leonidas Gegios ist der Mitbegründer der griechisch-bilingualen Schulen in Deutschland. Beruflich arbeitet er als Mediator in den Schulen, aber er befasst sich auch sehr mit den Beziehungen zwischen der griechischen Gemeinde und der deutschen Gesellschaft und auch zwischen den Eltern und Schülern.

Hier einige Daten über die Gründung der europäischen Schule in Berlin. 1993 wird der Verband gegründet, der diese Schule zum Leben erweckt hat. Austauschinitiativen zwischen Deutschland und Griechenland finden 1995 statt und 1996 wir die erste Schule gegründet. Eine zweite folgt 1999.

Zur Zeit gibt es 14 europäische Schulen in Berlin. Alle diese Schulen arbeiten auf die gleiche Art und Weise, obwohl sie von einander unabhängig sind.

Diese Schulen arbeiten von 8 bis 16 Uhr (was in Deutschland eher ungewöhnlich ist). Je nach Alter der Kinder umfasst der Unterricht 22 bis 30 Stunden, plus zwei Nachhilfestunden für Kinder mit Schwierigkeiten, plus zwei freiwilliger Unterrichtsstunden in Religion.

72 % der Kinder kommen mit dem Bus zur Schule (normalerweise besuchen die Kinder eine Schule in ihrem Viertel und gehen zu Fuß dorthin). Die Klassenstärke liegt bei 16 Kindern in der Vorschule und 24 in der Grundschule.

In den deutsch-griechischen Schulen sieht die Klassenzusammensetzung wie folgt aus: 14 % deutsche Eltern, 38 % binationale Eltern, 48 % griechische Eltern. Diplomatenkinder besuchen diese Schulen.

In jeder Klasse gibt es einen Deutschlehrer und einen Griechischlehrer. Jeder Lehrer spricht beide Sprachen. Sie arbeiten zusammen und unterstützen sich. Das Hilfspersonal ist gemischt.

Was die Alphabetisierung betrifft: Kinder, die besser Griechisch können, fangen mit Deutsch an und umgekehrt. Im zweiten Jahr wechseln sie die Sprache. Am Ende der Primarstufe sollen sich beide Sprachen im Gleichgewicht befinden.

Für jede ebene gibt es zwei Gruppen und zwei Kurse für jede Gruppe (in jeder Sprache eine). Alle Unterrichtsfächer werden zu 50 % in Deutsch und zu 50 % in Griechisch unterrichtet. Aber immer nur in einer Sprache, ohne dass es zu einer Mischung der beiden kommt. Die Referenten treffen sich einmal pro Monat, um Festlegungen zu machen.

Die beiden Ursprungsländer müssten stärker eingreifen, wie es die französischen und englischen Schulen im Ausland machen.

Es ist wichtig zu beweisen, dass die bilingualen Schulen bessere Ergebnisse erzielen als die anderen Schulen. Aber es fehlt an Mitteln für eine wissenschaftliche Evalu0tion. Für diese Schulen müsste sich die Öffentlichkeit viel mehr interessieren.

Es bedürfte eines Dialogs zwischen den internationalen Schulen und alle Ländern müssten die Abschlüsse anerkennen. Eine Organisation, die die Direktoren aller internationalen Schulen vereint, könnte zu einem interessanten Diskussionsort werden.

Diese Schulen tragen zum Aufbau von Europa bei, vereinen die verschiedenen Länder, schaffen Beziehungen zwischen den Jugendlichen der verschiedenen Nationalitäten. Später können diese Jugendlichen wählen, wohin sie sich weiter entwickeln wollen. Während ihres fünfjährigen Bestehens hat es an unseren Schulen noch niemals Rassismusprobleme gegeben.

Unsere Schule ist kostenlos. Eine neuere, vom Berliner Senat durchgeführte Kampagne richtete sich an jedermann. Der Prozentsatz der Kinder von Diplomaten liegt nur bei 3 oder 4 %. Die Eltern sind zu einem hohen Prozentsatz Analphabeten. Die Schule spielt auch eine soziale Rolle, weil die Eltern zur Arbeit gehen, während ihre Kinder die Schule besuchen.

Es handelt sich nicht um etwas Starres: Das ist der Unterricht in den normalen Schulen. Es gibt zahlreiche Parallelaktionen zum Kennenlernen und zur Entdeckung der Kultur. Die Beteiligung der Eltern ist wichtig. Zu den kulturellen Aktivitäten kommt fast jeder. Zu den Versammlungen, so haben wir festgestellt, kommen deutsche Eltern und gemischte Paare – die griechischen Paare kommen niemals!

Wenn sich die bilinguale Schule in einem benachteiligten Viertel niederlässt, besteht die Gefahr, dass man eine arme Schule für arme Leute schafft.

Omar Bergallou

Marokkaner, geboren in Belgien.
Er arbeitet halbtags im CEFA-UO – Spanisches Zentrum für Ausbildung und Aktion – Arbeiteruniversität. Die anderen halben Tage arbeitet er als Streetworker.

Die Arbeiteruniversität existiert seit 25 Jahren. Dabei handelt es sich um eine Sonderuniversität, weil sie keine Diplome vergibt. Auch ist der Name ein wenig provokant.

Diese Universität wurde von Bruno Duccoli gegründet und sie begann mit der italienischen Gemeinde... Es heißt Universität, weil dort alle Themen behandelt werden. Arbeiteruniversität wegen der sozialen Abstammung der Personen, die sie besuchen.

Alles beginnt mit einer Arbeit auf der Straße, um die Bedürfnisse festzustellen. Die Feststellung ist, dass die Leute Bildung brauchen. Das CASI-UO (Italienisches soziales Aktionszentrum) hat die Menschen in ihrer Muttersprache ausgebildet. „Worte sind eine Waffe – für den Angriff und die Verteidigung.“!

Später hat Javier Yeunda das CEFA-UO (Spanisches Aktions-/ Ausbildungsprogramm) geschaffen und zur Zeit arbeitet Omar an einem Erweiterungsprojekt in Richtung auf die marokkanische Gemeinde.

Meine Arbeit als Streetworker besteht darin, in einer Kontaktphase die Jugendlichen aus ihren ursprünglichen Vierteln zu holen, indem beispielsweise zufällige Sport- und Spielaktivitäten organisiert werden. Wenn sie ihre Viertel verlassen, sind sie nicht länger die Caïds und verlieren ihre Position der Stärke.

Wir erschaffen Mikrogesellschaften (zum Beispiel beim Camping) und wir machen uns unsere eigenen Regeln. Sie werden nur selten gebrochen.

In der Arbeiteruniversität ist das Ziel nicht, Akteur zu sein, sondern Protagonist. Wir sind seit drei Jahren tätig:

Erstes Jahr

Bewusstseinsbildung. Mündlich, keine Noten. Das Wort bringt die Menschen auf das Feld der Symbolik zurück. Wenn es Probleme gibt, muss man darüber reden. Wenn sie nicht reden, gibt es sie nicht. Alle Themen, die besprochen werden, suchen die Jugendlichen aus. Zum Beispiel Algerien, Israel usw..

Zweites Jahr

Bildung. Die Jugendlichen wählen die Themen aus, lassen aber fremde Referenten kommen. Man geht zum Schriftlichen über. Wir erklären ihnen, dass sich das Wort schnell verflüchtigt und dass man schreiben muss, um Zeichen zu setzen.

Drittes Jahr

Übernahme von Verantwortung. Wir verlangen von ihnen, sich der Lage gewachsen zu zeigen, produktiv zu werden. Zum Beispiel haben wir eine Zeitschrift erschaffen: Die Hefte der UO

Wenn es während der Annäherungsphase keinen Kontakt zur Familie gibt, bleibt Streetworking. Wenn nicht, wird es uns nicht gelingen, eine Verbindung zu den Jugendlichen selbst zu schaffen.

In den marokkanischen Familien gibt es keinen Dialog mit den Eltern. Die Jugendlichen sprechen niemals mit dem Vater, manchmal mit der Mutter. Im zweiten Jahr fordert man die Jugendlichen auf, einen Fragebogen über ihre Eltern auszufüllen. Sie müssen ihnen Fragen stellen. Die Eltern erzählen ihre Geschichte. Die Jugendlichen scheinen eine Unterhaltung mit ihren Eltern zu führen, dabei füllen sie nur einen vorab erarbeiteten Fragebogen aus.

Wenn die erste Frage gestellt ist, hören die Eltern nicht mehr auf. Ich persönlich habe diese Phase 28 Jahre durchlebt. Und erst in diesem Moment habe ich die Geschichte meiner Eltern verstanden.

Es ist uns niemals gelungen, Verbindungen zu Jugendlichen aus Marokko zu knüpfen. Die in Belgien geborenen Jugendlichen sind Belgier; eine „Vereinigung der Marokkaner“ ist daher nicht sehr logisch. Also haben wir beschlossen, keinen Verband zu gründen und in der CEFA zu bleiben, wo immer weniger Spanier zu finden sind!

Die CEFA hat einen Gebetsraum in Brüssel und das interessiert uns. Im Gegensatz zu den Italienern und Spaniern, die Kontakt zu ihrem Mutterland halten, schneiden die Marokkaner oftmals alle Verbindungen nach Marokko ab.

Bei der CEFA gibt es viele marokkanische Jungen. Man versucht, auch Mädchen und Jugendliche anderer Nationalitäten zu bekommen, aber das ist schwierig. Das kann gehen, wenn die Jugendlichen aus dem gleichen Viertel kommen. Die Erfahrungen, die wir mit Jugendlichen aus anderen Vierteln gemacht haben, waren nicht erfolgreich.

Bei der CEFA sind es Migranten, die für die Migration arbeiten. Wenn die Belgier Projekte vorstellen, zweifelt man immer ihre Motivation an.

Die Marokkaner arbeiten seit 1996 mit der UO.

Kaya Turkan

Türkin. Schulmediatorin des Verbands türkischer Arbeitnehmer.
Zu Beginn war sie ehrenamtlich für den Verband tätig und ist erst seit einigen Tagen dort angestellt.

Ihr Verband arbeitet in verschiedenen Bereichen, kulturellen Aktivitäten bei der Arbeit mit Frauen, wobei sie über Aktionen für Jugendliche und Kinder gehen. Der Verband führt seit vier Jahren Schulmediationsprojekte an Schulen in einem Pariser Viertel durch.

Die türkische Gemeinde spricht kein Französisch. Die Eltern können nicht mit den Lehrern sprechen, sie kenn das französische Schulsystem nicht. Mit uns sind sie daher viel offener. Wir haben mehrere Versammlungen abgehalten, um zum Beispiel die Organisation des französischen Schulsystems zu erklären. Wir halten periodischen Kontakt zu den Eltern.

Wir haben die Schulen des Viertel kontaktiert, damit die Direktoren uns die bestehenden Probleme erläutern können, und wir hatten die folgenden Antworten:

  • Die Eltern kennen nicht das französische Schulsystem
  • Es besteht ein Graben zwischen der Welt in der Familie und der Welt in der Schule
  • Die Eltern verstehen weder die Organisation noch die Rolle der Schule
  • Die Eltern werden von ihren eigenen Kindern angeklagt
  • Die Eltern haben keinen Anteil an der Schulbildung ihrer Kinder
  • In der Türkei können die Eltern zu jedem Zeitpunkt des Tages die Schule besuchen. In Frankreich müssen sie erst einen Termin vereinbaren!
  • Die Eltern kennen nicht die kulturellen Codes in Frankreich. Sie haben Angst und es gibt keine Annäherung.

Wir versuchen, zwischen den Eltern und der Schule zu vermitteln. Einmal pro Monat organisieren wir ein Treffen mit den Eltern schulpflichtiger Kinder. Falls notwendig, sorgen wir für Übersetzungen während der Treffen mit den Lehrern usw..

Aliou Diao

Senegalese.
Die GRAM ist eine Forschungs- und Aktivistengruppe für ausländische Minderheiten. Es handelt sich hier um einen Mischverband. In diesem Verband sind nicht nur Ausländer organisiert. Wir haben lokale Verbindungen, aber unsere Aktivitäten werden in der Jahreshauptversammlung des Verbandes festgelegt.

Wir denken, dass die Verbände nicht multikulturell arbeiten können ohne Mediation. Die Interrelation zwischen Personen, die Beziehungen zu den Verbänden, das sind Mediationshandlungen.

Die GRAM arbeitet bei Eintreffen der Migranten in den Schulen, an den Fürsorgestellen, helfen den Migranten, sich an die verschiedenen Behörden zu wenden, die ihre Probleme lösen können. Oftmals wissen die Migranten nicht, welche Behörden ihnen helfen können, sie kennen ihre Rechte nicht und fordern daher gar nichts.

Wir kennen alle das jakobinische Modell in Frankreich, das im Anschluss an die französische Revolution nach der Vorstellung der Bürger geschaffen wurde. Die Maghrebiner haben ein wenig von diesem französischen Jakobinertum gesprengt.

Diskussionen (lose Zusammenfassung)

Es ist wichtig, dass man in der Schule verschiedene Sprachen unterrichtet, damit jeder seine Identität finden kann und ein Bürger mit seinen Besonderheiten werden kann. Es ist wichtig, dass die Aufnahmeländer die Tatsache würdigen, dann jemand mehrere Sprachen spricht. Dies kann eine Bereicherung für das Land sein. Es ist wichtig, beide Muttersprachen bereits in frühester Kindheit zu erlernen. Es ist ebenso wichtig, dass auch die anderen Kinder Fremdsprachen lernen können. Dies kann sowohl das Kind als auch das Land nur aufwerten.

Man muss sich der Unterschiede zwischen Interkulturalität und Multikulturalität bewusst sein. Der Interkulturalität gegenüber sind wir viel sensibler. Man muss zunächst durch die Multikulturalität, um zur Interkulturalität zu gelangen. So besteht das Risiko, zuerst das Ghetto zu durchschreiten, ehe man sich öffnet. Wenn es keinen Austausch mit den anderen Gemeinden gibt, können wir miteinander arbeiten und uns austauschen.

Ich habe Probleme mit der Neutralität. Wir befinden uns immer in einer Situation der Ungleichheit und es ist schwierig, sich dieser Ungleichheit zu entziehen. Es gibt keine passive Neutralität. Im Gegenteil, wir müssen uns eine Haltung aktiver Neutralität aneignen: Wir befinden uns in einer Logik der Berichtigung von Ungleichheiten.

Die Mediation muss eine eingeschränkte Lebensdauer haben; sie muss schließlich der Interkulturalität stattgeben. Jeder muss sich dessen bewusst sein, was er geben kann, was er besitzt. Manchmal sind es die Situationen der Ungleichheit, die uns abwerten. Wir glauben, dass wir nicht machen können.

Der Mediator müsste Konflikte verhindern und nicht auftreten, um Probleme zu lösen. Unglücklicherweise geschieht aber gerade dieses nicht – wir werden gerufen, um Probleme zu lösen, die bereits bestehen, während wir nicht für Aktionen sozialer Prävention gerufen werden …

In unserer (afrikanischen) Gemeinde kann die Mehrheit der Leute weder lesen noch schreiben. Nun wundern sich die Lehrer, wenn die Eltern nicht zu den Schulversammlungen erscheinen. Die Eltern gehen nicht zu den Elternversammlungen und die Dozenten glauben, das geschieht, weil sie sich nicht für die Erziehung ihrer Kinder interessieren. Dabei geht es hier um ein Verständigungsproblem. Wie können die Eltern, die nicht lesen und schreiben können, ein Einladungsschreiben oder eine Mitteilung über das Fernbleiben vom Unterricht ihrer Kinder verstehen?

Im Allgemeinen haben die Kinder im Alter von 12/14 Jahren, insbesondere die Mädchen, mehrere Gründe, um nicht zur Schule zu gehen. In der afrikanischen Kultur heiraten die Mädchen sehr jung und die Eltern verlangen von ihnen, dass sie zu Hause bleiben und sich um ihre Brüder kümmern. Warum sollten sie also Zeit mit der Schule verlieren? Hier gibt es eine Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr und das kollidiert mit den Gewohnheiten unserer Gemeinschaft. Die Mediatoren müssen die Rolle der Schule erklären.

Wir nehmen als Argument die Tatsache, dass die Kinder in diesem Land bleiben werden und dass sie, falls sie studieren, weiter kommen würden. Bestimmte Eltern nehmen sich die Zeit, unsere Argumente zu verstehen, aber die Mehrheit von ihnen akzeptiert sie einfach.

Manchmal gibt es einen Mangel an Vertrauen in den Mediator. Wir wollen diesen Konflikt nicht verhindern, wir wollen ihn provozieren, damit es zur Mediation kommt (Omar).

Wir sprechen über Treffen Kulturschocks, aber nicht über Konflikte!

Im Rahmen der Gesundheit gilt, was für ein Land normal ist, muss es nicht auch für ein anderes sein. Einen Arzt aufzusuchen ist banal für einen Bewohner des Abendlandes, aber er ist die letzte Anlaufstelle für einen Afrikaner. Für schwangere Frauen gibt es beispielsweise in Afrika eine sehr geschlossene Kultur. Wir verstehen nicht, warum wir mit einem Arzt diese intimen Dinge zu teilen haben. Warum will er wissen, wann wir zum letzten Mal Geschlechtsverkehr hatten, wann wir unsere letzte Regel hatten usw..

Die Behörden vereinnahmen teilweise Leute, die ehrenamtlich als Schulmediator tätig sind und stellt sie später ein, so dass sie von ihrem Wissen profitieren und von der Anerkennung, die diese Personen in der Gemeinde besitzen.

Die Mediation ist keine einfache Aufgabe. Manchmal erkennt meine Gemeinde meine Arbeit deshalb nicht an, weil ich dafür bezahlt werde. Als ich ehrenamtlich tätig war, kamen mich die Leute einfach besuchen. Jetzt, wo ich dafür bezahlt werde, als Mediator zu arbeiten, sagen die Leute von mir, dass ich „ein anderer Mensch“ bin!

Manchmal kennen wir die Gemeinde, aber wir kennen nicht die Institutionen. Wenn die Stadt, für die wir arbeiten, sich um unsere Ausbildung kümmert, ist dann die Neutralität der Ausbildung gesichert?

Der Status des Mediators wird nur dann vollkommen anerkannt, wenn er ein Problem hat (daran erkennt man uns). Die Beziehungen zu den anderen Akteuren in dem Gebiet sind auch nicht einfach. Die anderen Profis (Sozialarbeiter, Sozialfürsorger usw.) haben Angst vor uns. Sie glauben, dass sie ihre Anerkennung verlieren, wenn sie mit uns arbeiten. Es ist daher erforderlich, dass die Aufgaben des Mediators neu definiert werden.

Manchmal werden die Mediatoren bei der Sozialfürsorge angestellt, um ihre Arbeit zu machen, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind. Aber auf der anderen Seite betrachten sie uns immer als Ausländer. Beispielsweise haben wir erst vor noch nicht allzu langer Zeit die Erlaubnis erhalten, in die Krankenhäuser zu gehen.

In verschiedenen Organisationen (Schule, Krankenhaus, Gesundheitszentrum usw.) müsste es einen ständigen Mediator geben. Das würde die Arbeit der verschiedenen Profis erleichtern, ohne ihnen die Arbeit wegzunehmen.

Tatsächlich müssen alle Akteure in dem Gebiet eine Ausbildung für die Mediation erhalten. Sie müssen keine Mediatoren sein, aber sie müssen Mediation machen können.

Alle Mitarbeiter an den Schulen müssen eine interkulturelle Ausbildung erhalten im Rahmen ihrer eigenen Ausbildung. In Frankreich macht dies die CEFISEM, aber leider handelt es sich nur um ein Wahlfach. Sie müsste fakultativ werden.

Es dürfte nicht nur eine Einzelmediation geben, sondern es sollte auch bemessen werden, was die Gemeinschaft macht. Den Verbänden müssen Mittel gegeben werden, damit auch sie Mediation betreiben können. Hier sind wichtige Orte kulturellen Ausdrucks, die es zu stärken gilt.

zurück
 
nach oben

Stand 25.06.2007 | Sitemap | Impressum | Kontakt